Kennst Du das? Meistens fällt dieser Satz genau dann, wenn eine Frau ein Problem gelöst hat, das nach altem Rollenverständnis eigentlich DER MANN hätte lösen sollen. Ganz klischeehaft gesagt: den Nagel in die Wand gehauen oder das Loch gebohrt.
In welcher Situation hast Du diesen Satz zuletzt gesagt, gehört oder gedacht?
Bei mir kam diese Frage neulich auf, als ich im Haus etwas repariert habe. Und statt den Satz einfach wieder ziehen zu lassen, wollte ich es genauer wissen: Wo kommt der Spruch eigentlich her, und was steckt wirklich dahinter? Und dann die Frage: Was heißt eigentlich „Selbst“, und was gehört alles dazu?
Ein kurzer Ausflug zur Herkunft
Ich habe nachgeforscht (ja, auch mit KI-Unterstützung 😊). Die Kurzversion: „Selbst ist die Frau“ ist die weibliche Abwandlung von „Selbst ist der Mann“. Der ältere Spruch stammt aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und stand für Eigenverantwortung, Tatkraft und Selbstständigkeit. Die weibliche Version kam später dazu, im Zuge der Frauenbewegung, der Gleichberechtigung und eines wachsenden Selbstverständnisses von Frauen im 20. Jahrhundert.
Je nach Situation kann der Satz ganz Unterschiedliches ausdrücken:
Praktisch: „Der Schrank ist kaputt? Selbst ist die Frau – ich repariere ihn.“
Selbstbewusst: „Ich brauche niemanden, der das für mich übernimmt.“
Emanzipatorisch: „Frauen sind genauso fähig und unabhängig wie Männer.“
(Bild: KI-generiert)
Und manchmal wird er einfach humorvoll benutzt, wenn jemand eine Aufgabe übernimmt, die früher als „Männersache“ galt. Der Satz ist also weniger ein Aufruf zur Einzelkämpferhaltung als eine Aussage über Selbstständigkeit und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Mit diesen Schlagworten kann ich richtig gut mitgehen: Eigenverantwortung, Tatkraft, Selbstständigkeit, Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das gefällt mir.
Aber mal ehrlich: Gilt das nicht für jeden? Ohne Mann-Frau-Formulierung, denn im Grunde betrifft das Thema uns alle, könnte der Satz doch heißen:
Selbst ist … der Mensch.
Und was steckt eigentlich hinter dem „Selbst“?
Wenn ich über dieses Wort nachdenke, fallen mir sofort mehrere Begriffe dazu ein:
Selbstbewusstsein
Selbstwirksamkeit
Selbstverständnis / Selbstkenntnis
Selbstakzeptanz
Selbstvertrauen
Selbstwert
Selbstliebe 💛
…
(Bild: Carolin Cetindis)
Damit sind wir ziemlich direkt bei unserem tiefen, inneren Kern angekommen. All diese Punkte wirken sich auf unser Verhalten, unser Wohlbefinden und unsere Zufriedenheit aus.
Der Selbstwert – und die Sache mit der fehlenden Zeit
Besonders spannend finde ich den Selbstwert, gerade im Zusammenhang mit einem Satz, den ich unglaublich oft höre: „Ich habe keine Zeit für mich.“ Dahinter steckt vermutlich öfter ein „Ich nehme mir keine Zeit für mich“. Denn wir haben und nehmen Zeit für soooooo viele Dinge, nur eben nicht für uns selbst.
Was das mit Selbstwert zu tun hat? Dinge, denen wir einen hohen Wert beimessen, geben wir Vorrang, und wir sind bereit, viel dafür zu investieren: Zeit, Energie oder auch Geld. Und jetzt kommt die unbequeme Frage: Wenn wir es allen anderen recht machen, alle Aufgaben lösen, sämtliche Erwartungen erfüllen und am Ende keine Zeit für uns und unsere Bedürfnisse übrig bleibt (Stichwort Me-Time) – hat das vielleicht etwas mit einem mangelnden Selbstwert zu tun?
Sehen wir uns selbst nicht als wertvoll genug an, damit auch unsere Bedürfnisse Raum bekommen und wir dafür Zeit oder Geld ausgeben dürfen? Oder haben wir schlicht verlernt, die eigenen Bedürfnisse mal nach vorn zu stellen – oder sie wenigstens nicht ganz ans Ende der Liste zu schieben? 🤭
Dazu gibt es natürlich noch viele weitere Ideen und Interpretationen. Der Begriff wird oft synonym mit Selbstbewusstsein verwendet oder schließt Selbstliebe mit ein. Es ist also eine recht komplexe, vor allem aber sehr subjektive Geschichte rund um das Wort beziehungsweise den Wortstamm „Selbst“.
Und wenn Du nun SELBST bist – wie bist Du dann?
Bevor Du Dich mit Deinem eigenen Selbstwert beschäftigst (und das ist wirklich nicht ganz einfach), lohnt es sich zu klären, was Du unter den oben genannten Begriffen überhaupt verstehst. Ganz allgemein und ganz konkret für Dich. Im zweiten Schritt kannst Du dann beleuchten, durch wen oder was Dein Bild davon geprägt wurde – und wird.
💡 Meine Impulsfragen für Dich:
Wann hast Du zuletzt „Selbst ist die Frau“ (oder eine ähnliche Formulierung) über Dich gedacht oder gesagt?
Was bedeutet „Selbst“ für Dich: selbstbewusst, selbstwirksam, bei Dir selbst – oder etwas ganz anderes?
Welcher der Begriffe rund um „selbst“ spricht Dich besonders an, und weshalb?
Kurzes Fazit: „Selbst ist der Mensch“ heißt nicht, alles allein stemmen zu müssen. Es heißt, sich selbst zu kennen, sich etwas zuzutrauen – und sich selbst wichtig genug zu nehmen. Ob Nagel in der Wand, Bohrloch oder Me-Time: Das „Selbst“ steckt in beidem, in der Tatkraft nach außen und im Blick nach innen. Vielleicht ist genau das der schönste Gedanke dabei: Wer sich selbst etwas wert ist, traut sich mehr zu, und nimmt sich ganz selbstverständlich auch die Zeit, die er oder sie verdient. 💛
Wenn Du dabei tiefer einsteigen oder eine Sortierhilfe an die Hand bekommen möchtest, begleite ich Dich gern dabei: Kennenlerngespräch vereinbaren
ODER:
👉 Du nimmst am GANZ ICH Retreat am 24.10.2026 in München teil – ein Tag extra für genau diese Frage.
(Beides geht natürlich auch 🤭)

