Wo und was ist eigentlich die Rolle mit meinem Namen?
Sommerfest des Handballvereins, bei dem beide meiner Kinder spielen und ich als Hilfstrainerin im Training der Kleinen unterstütze. Ich stehe mit mir unbekannten Erwachsenen – Eltern wie ich – zusammen, und wie es dann so ist, stellen wir uns gegenseitig vor. Ich ertappe mich bei dem Satz: „Hallo, ich bin die Mama von Greta."
BITTE? Also grundsätzlich keine falsche Angabe, aber müsste ich nicht zuerst sagen „Hallo, ich bin Tina"? Ich weiß gar nicht, wie ich das Gefühl der Erkenntnis darüber am besten beschreiben soll: überrascht, empört, irritiert, vielleicht sogar wütend oder traurig?
Mutter von. Frau von. Kollegin von. Freundin von.
Wenn ich ehrlich bin, könnte ich mein ganzes Leben entlang dieser Liste beschreiben. Und scheinbar mache ich das ganz automatisch und andauernd. Im Small Talk, im Lebenslauf, in Vorstellungsrunden. Ich bin die Rolle, die ich gerade ausfülle. Mein Humor ruft an dieser Stelle dazwischen: „Wer bin ich eigentlich – und wie viele?" – dann kommt das Ganze nicht so desillusionierend rüber 🤭.
Und dann schreit mich innerlich die Frage an, die mich seitdem nicht mehr loslässt: Wo ist eigentlich die Rolle mit meinem Namen? Nicht „Mutter von", nicht „Partnerin von", nicht „Kollegin von". Einfach nur: Tina. Punkt.
Die Rolle ohne „von"
Und dann geht das Gedankenspiel weiter: Wenn ich für jede meiner „von"-Rollen eine Stellenbeschreibung schreiben müsste, hätte ich das in fünf Minuten erledigt. Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Erwartungen – kenne ich alles auswendig, lebe ich jeden Tag.
Und dann die Gegenfrage: Was ist eigentlich die Rollenbeschreibung von „Tina"?
Wäre ich meine eigene Klientin, wäre das der Moment in der Coaching-Session, in dem es laaaange ruhig wird und ich erkennen kann, dass in der Person mir gegenüber innerlich gerade Stürme wüten. Ich saß tatsächlich eine Weile da und wusste keine spontane Antwort. Nicht weil ich nicht wüsste, wer ich bin – sondern weil ich diese Frage in dieser Form einfach nie gestellt bekomme. Oder vielleicht auch ein bisschen von beidem. Ich kann mich jedenfalls an kein Smalltalk-Kennenlerngespräch erinnern, in dem mich jemand gefragt hätte: „Und wer bist Du?" Ich stelle hier nicht die Frage, warum das so ist …
Dass ich erstmal keine Antwort parat hatte, fand ich im ersten Moment fast ein bisschen komisch, im zweiten Moment ziemlich entlarvend.
Warum uns diese Rubrik fehlt
(mit uns meine ich alle, die sich mit den von-Rollen angesprochen fühlen)
Ich glaube, das liegt nicht daran, dass wir keine Antwort hätten. Sondern daran, dass wir sie selten brauchen – weil kaum jemand danach fragt. Die Welt um uns herum ist sehr gut darin, uns in Bezug zu anderen zu definieren: als Mutter, als Führungskraft, als Ansprechpartnerin, als die, auf die man sich verlassen kann. Alles wichtige, wertvolle Rollen. Aber eben Rollen für andere. Und scheinbar mache nicht nur die Welt das mit mir – ich mit mir selbst genauso 😯.
Und ganz tief in den Spiegel geschaut muss ich sagen: Eine Rolle zu beschreiben, “die ich nur ausfülle” ist ja viel einfacher, als mich selbst in meiner eigenen Hauptrolle zu beschreiben. Die Rolle „Tina" dagegen hat keinen Empfänger. Sie muss niemandem dienen, nichts liefern, keine Erwartung erfüllen. Und genau das macht sie so schwer zu greifen – und gleichzeitig so wichtig.
Kurzes Fazit: Wir sind hervorragend darin, uns über andere zu definieren. Und ziemlich ungeübt darin, uns selbst eine Rollenbeschreibung zu geben – einfach nur für uns.
Ich habe es trotzdem versucht. Ganz ohne „von", ganz ohne Bezug zu jemand anderem. Und ich gebe zu: Es hat gedauert, bis wirklich etwas dabei herauskam, das sich nicht nach einer weiteren Erwartung angefühlt hat, sondern nach mir.
💡Meine Impulsfragen für Dich
Falls Du Lust hast, selbst ins Nachdenken zu kommen – hier ein paar Fragen, die Du Dir in Ruhe stellen darfst (Antworten gerne nicht sofort, sondern erstmal nur sacken lassen):
Wie würde Deine eigene Rollenbeschreibung aussehen – ganz ohne „von"?
Wann warst Du zuletzt einfach nur Du, ohne Funktion für jemand anderen?
Welche dieser „von"-Rollen würdest Du nie aufgeben wollen – und welche haben sich eher eingeschlichen?
Was würdest Du in Dein eigenes Stellenprofil schreiben, wenn niemand mitliest?
Diese Fragen darfst Du Dir versuchen, Dir selbst zu beantworten 😊
ODER:
👉 Du buchst Dir 20 Minuten Kennenlernen mit mir, und wir schauen gemeinsam wie ich dich bei der Entdeckung der Rolle mit Deinem Namen begleiten kann.
ODER:
👉 Du nimmst am GANZ ICH Retreat am 24.10.2026 in München teil – ein Tag extra für genau diese Frage.
(Beides geht natürlich auch 🤭)

