Was habe ich alles dabei – und wofür ist es gut?
Gerade bereite ich mich auf mein Ski-Hochtouren-Wochenende vor und merke wieder einmal: Eine sorgfältige Vorbereitung meiner Ausrüstung gibt mir ein gutes Gefühl von Sicherheit.
Während ich also meine Sachen zusammensuche, komme ich ins Sinnieren, wie das eigentlich im Leben insgesamt so ist – mit Vorbereitung, mit Ausrüstung und mit dem, was wir „dabei haben“. Und natürlich auch mit der Frage, was ich daraus für das Coaching mitnehmen kann. Ha – „mitnehmen“… passt ja ziemlich gut. 😉
Mir wird dabei klar, dass diese strukturierte Vorbereitung gleich mehrere Dinge gleichzeitig erfüllt:
ich setze mich mit möglichen Eventualitäten auseinander
ich sensibilisiere mich für das, was kommen kann
ich stelle meine Ausrüstung zusammen
und ganz nebenbei lerne ich sowohl meine Ausrüstung als auch meine eigenen (mentalen) Ressourcen besser kennen.
Und dann heißt es irgendwann: los geht’s.
Was hat das mit Coaching zu tun?
Nun bewegen sich die wenigsten von uns regelmäßig im hochalpinen Gelände – ich übrigens auch nicht 😊 – und trotzdem lassen sich diese Schritte ziemlich gut auf unseren Alltag und auf Coaching übertragen. Ich gehe sie einmal in meiner „Pack-Logik“ durch.
1. Worum geht es eigentlich?
Der erste Schritt ist die gedankliche Vorbereitung: Womit habe ich es zu tun? Was könnte auf mich zukommen?
Im Coaching würde man vielleicht von Problembeschreibung oder Zielzustand sprechen.
Oder einfacher: Worum geht es gerade wirklich?
Allein diese Klarheit ist oft schon ein wichtiger Schritt – auch wenn er manchmal leichter klingt, als er tatsächlich ist.
2. Was habe ich schon dabei – und was fehlt vielleicht noch?
Während ich meine ganzen Gegenstände per Packliste zusammengesucht habe, kam eine Erkenntnis, dass ich noch nicht alles dafür habe. Und dies passiert öfter im Leben, zu merken, dass noch ein Ausrüstungsgegenstand – ich nenne es Ressource – fehlt. Und dann die Frage: wo kriege ich diese Ressource her? In meinem Fall habe ich selber noch etwas zu Hause gefunden, das ich nicht mehr auf dem Schirm hatte und zusätzlich habe ich mir bei einer Freundin etwas ausgeliehen.
Und genau das begegnet mir auch im Coaching immer wieder: wir haben bereits etwas an Bord- Fähigkeiten, Erfahrungen, Stärken - nur sind sie uns in dem Moment nicht bewusst oder erscheinen uns im aktuellen Kontext nicht passend. Manchmal nutzen wir eine Ressource ganz selbstverständlich in einem Bereich unseres Lebens, ohne zu sehen, dass sie uns auch in einer anderen Situation helfen könnte. So ging es bei mir um einen speziellen Karabinerhaken, der in einem anderen Kontext in Gebrauch war und ich nur aus dieser Anwendung in meine Hochtourenanwendung umziehen musste. Auch das geschieht mit Ressourcen: wir haben und nutzen etwas in einem anderen Kontext und können uns bewusst machen, dass diese Ressource auch in der beleuchteten Situation hilfreich sein kann.
Die Dinge, die ich bei meiner Freundin ausgeliehen habe, möchte ich im Zusammenhang mit Ressourcen etwas anders beschreiben. Es kommt eher nicht vor, dass wir Ressourcen von jemandem ausleihen und diese anschließend wieder zurückgeben (außer vielleicht einen Glaubenssatz, aber das ist ein anderes großes Thema), sondern es ist eher so, dass unser Umfeld uns auf Ressourcen hinweisen könnte: Einerseits mit der Frage „Wie/womit würdest Du das lösen?“ und andererseits mit der Frage „Was würdest Du an meiner Stelle tun?“…
3. Kennenlernen, ausprobieren, üben
Nachdem ich meine Ausrüstung zusammengesucht hatte, habe ich sie Stück für Stück durchgeschaut und mich gefragt: Wofür bist du eigentlich da – und wie benutze ich dich?
Ok, bei der Tourenhose habe ich das vermutlich nicht so ganz explizit gemacht 😊, bei der Stirnlampe nur ein bisschen, denn die ist neu und ich habe immerhin ausprobiert, wie sie ein- und ausgeschaltet wird, welche Modi es gibt und wie der Ladezustand des Akkus ist.
Und dann gibt es Gegenstände, die ich nicht so häufig nutze und mich damit auseinandergesetzt habe, wofür sie gut sind und wie ich sie konkret benutze. Dafür habe ich mir einerseits auch Wissen angeeignet, indem ich mir Videotutorials angeschaut habe und andererseits habe ich den Umgang damit geübt, damit ich „im Ernstfall“ weiß was zu tun ist und einige Handgriffe hoffentlich schon automatisch funktionieren.
Im Alltag ist es mit unseren Ressourcen oft ähnlich.
Im Hinblick auf unsere Ressourcen im Alltag kann das ähnlich beschrieben werden. Wir finden vielleicht eine Ressource, von der wir noch nicht so genau wissen, wie sie uns im aktuellen Kontext dienlich sein kann, wie wir diese am besten einsetzen. Heißt: Ressource wahrnehmen, kennenlernen und Einsatzgebiete überlegen. Manchmal kann eine Ressource auch auf einen weiteren Kontext angewendet werden. Und manchmal braucht es dazu ein zusätzliches Wissen um die Ressource erweitern zu können wie in meinem Hochtourenbeispiel die Videotutorials. Auch im Alltag können wir den Umgang mit unseren Ressourcen üben und uns Schritt für Schritt herantasten. Über einzelne Situationen, kleinere Herausforderungen, bis wir die Ressource irgendwann automatisch abrufen und einsetzen können. Auch hier gilt die allbekannte Floskel „Übung macht den Meister“ 😊. (#wirsindzumübendanichtzumkönnen)
Und das ist schon der Übergang zu Los geht’s!
Nicht alles wird planbar sein, und nicht jede Situation lässt sich im Vorfeld vollständig durchdenken. Aber mit einer gewissen Klarheit, einer gut zusammengestellten „Ausrüstung“ und dem Vertrauen in die eigenen Ressourcen fühlt sich der Weg oft deutlich stimmiger an.
Fazit
Unsere Ressourcen und Fähigkeiten sind wie eine Ausrüstung.
Einen Teil haben wir bewusst zur Hand und wissen, wie wir damit umgehen. Einen anderen Teil dürfen wir erst (wieder) entdecken, verstehen und in neuen Kontexten ausprobieren. Und genau wie bei einer Tour gilt auch hier: Der Umgang damit darf geübt werden – nicht, um perfekt zu sein, sondern um im entscheidenden Moment darauf zurückgreifen zu können.
Meine Impulse für Dich:
Hast Du für Deine aktuelle Herausforderung die „richtigen Ausrüstungsgegenstände“ parat?
Wo könntest Du noch etwas (wieder)finden, das Du bereits in Dir trägst?
Und welche Ressource aus einem anderen Kontext könntest Du einmal bewusst in einer neuen Situation ausprobieren?
Ich begleite Dich gerne bei Deiner persönlichen „Ressourcensuche“. Denn oft ist schon alles da – es darf nur wieder sichtbar werden.

