Meine Welt in Deiner Welt

Meine Welt in deiner Welt: Die eigene Welt mit anderen Augen sehen

Manchmal zeigt sich ein Perspektivwechsel nicht in großen Momenten, sondern im ganz Alltäglichen. In den letzten Wochen sind mir zwei Gespräche mit Freundinnen besonders hängen geblieben. Beide haben mich zum Nachdenken gebracht – und letztlich zu diesem Blogartikel geführt, weil sie mir mal wieder deutlich gemacht haben, wie unterschiedlich die Wahrheiten über unsere Welten sein können, obwohl wir über dieselben Situationen sprechen.

Die Gespräche:

Mit der einen Freundin ging es um unseren Alltag, um Routinen und darum, wie man alles unter einen Hut bekommt. Sie sagte sinngemäß etwas wie: „In meiner Welt hast du deinen Alltag total im Griff. Du wirkst, als hättest du immer genug Zeit für dich und andere. Heute hattest du doch einen entspannten Tag: Sport gemacht, diesen Linsen-Brotaufstrich vorbereitet…“

Und ich dachte nur: WHAT??? Klingt großartig, ist aber… anders. 😬
Klingt toll, wirklich – aber es trifft meine innere Welt nicht. Ja, ich hatte Sport gemacht und ja, der Brotaufstrich steht jetzt im Kühlschrank. Aber dass ich „alles im Griff“ hätte, fühlt sich für mich selten so an. Und entspannt war dieser konkrete Tag auch nicht.

Das zweite Gespräch drehte sich um das Thema Projekte, Selbständigkeit, neue Wege gehen. Ihre Wahrnehmung war: „Wenn ich an dich denke, wirkt alles so durchdacht, erfolgreich, umsetzungsstark und voller Energie. Irgendwie leicht. Als gäbe es da keine Zweifel.“

Ich wiederhole: WHAT??? Klingt großartig, ist aber… anders. 😬
Denn Zweifel habe ich durchaus und leicht fühlt sich dieser Weg bei weitem nicht immer an. Als ich ihr dann sagte, wie mutig ich ihren Schritt in die Selbständigkeit finde und wie sehr ich sie dafür bewundere, reagierte sie mit einem erstaunten „Ach echt?“ – und in diesem Moment wurde wieder sichtbar, wie unterschiedlich unsere inneren und äußeren Welten sein können.

Wenn meine Freundinnen mich so anders sehen als ich mich selbst – dann gilt das vermutlich auch für weitere Menschen in meinem beruflichen und privaten Umfeld: für Kolleginnen, Kollegen, Vorgesetzte, meinen Mann, andere Freundinnen. Und natürlich genauso umgekehrt. Könnte es also sein, dass die Welt der Kollegin/des Kollegen, der Chefin/des Chefs oder der Freundin vielleicht auch gar nicht so ist, wie ich sie mir zusammenreime?

Hmmm… Verrückt…. Was bedeutet das?

  • Unsere Ausstrahlung nach außen ist anders als unsere innere Welt.

  • Es kommt zu Missverständnissen, weil wir eine falsche Annahme über die Welt des anderen treffen.

  • Und vielleicht ist meine eigene Welt sogar viel „grüner“ und freundlicher, als ich sie selbst wahrnehme (#dankbarkeit) und es wäre hilfreich, meine Welt mal durch die Augen anderer zu betrachten.

Und damit sind an dieser Stelle nur ein paar Impulsgedanken formuliert – selbstverständlich kann noch viel mehr an Bedeutung herausgeholt werden. Dahinter steckt ein zentrales Konzept, das im Coaching eine große Rolle spielt: der Konstruktivismus. Kurz gesagt bedeutet er, dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit konstruiert. Dementsprechend gibt es nicht die eine objektive Wahrheit oder Realität, denn jeder Mensch nimmt die Welt auf seine eigene Weise wahr, basierend auf individuellen Erfahrungen und inneren Prozessen. Das klingt nach einem großen philosophisch Thema, in das ich bewusst nicht tiefer einsteigen möchte. Mir geht es weniger um die Theorie, sondern darum, einen Denkraum zu öffnen, der im Alltag wirklich hilfreich sein kann.

Impulsfragen:

  • Durch wessen Augen möchtest du deine Welt heute sehen?
    Und wofür wäre das gut: ein positiverer Blick auf Deine Welt? Oder ein Verständnis, wie eine bestimmte andere Person Deine Welt wahrnimmt?

  • Wessen Welt würdest Du gerne genauer anschauen?
    Vielleicht weil ein Konflikt im Raum steht und ein tieferes gegenseitiges Verständnis helfen könnte, ein Perspektivwechsel mehr Verbindung schaffen könnte?

  • Oder anders gesagt: Was unterscheidet deine Wahrheit (egal über welche Welt, welches Problem, welche Herausforderung) von der Wahrheit deines Gegenübers, vielleicht sogar deines gesamten Umfelds?

Wenn du diesen Fragen nachgehst, kannst du ein Gefühl dafür bekommen, wie der „Bauplan“ deiner eigenen Welt aussieht – und du gewinnst vielleicht auch einen Eindruck davon, wie andere ihre Welt konstruieren. Das kann helfen, Missverständnisse zu verstehen, Konflikte aufzulösen oder einfach ein bisschen freundlicher mit sich selbst zu werden. Und vielleicht entdeckst du dabei sogar, dass das Gras auf deiner Seite tatsächlich grüner ist, als du dachtest – und Dankbarkeit ganz von selbst entsteht.

Im Coaching gibt es viele Möglichkeiten, die eigene Welt und die Welt anderer genauer zu betrachten und miteinander in Beziehung zu setzen. Wenn du das für dich erkunden möchtest – sei es für mehr Zufriedenheit, mehr Harmonie, mehr innere Ruhe oder Klarheit – dann begleite ich dich gerne dabei.



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