Alles muss man selber machen!

Ein „wundervoller“ Alltags-Frust-Satz

Ja genau! Alles muss man (wer ist man? Etwa ich???) selber machen. Vielleicht könnte ich den Satz noch um ein IMMER anreichern: ALLES MUSS MAN IMMER selber machen. AAAhhhh, jetzt ist es stimmig und trifft voll und ganz zu.

Egal ob zu Hause aufräumen oder gleich alle doofen Haushaltsaufgaben, egal ob ungeliebte Tätigkeiten im Job – oha, ich fühle mich so angesprochen. Und ich habe diesen Satz in einem Wutausbruch sicherlich mehr als einmal laut durchs Haus gerufen.

Angestoßen durch einen Workshop am vergangenen Freitag auf dem BDVT Camp zum Thema Resilienz für Trainer:innen, Berater:innen und Coaches, bin ich dazu richtig ins Denken gekommen. Der Aufhänger war, dass viele Solo-Selbständige eine ganze Reihe ungeliebter Aufgaben selbst erledigen, obwohl diese wahre Energiejäger sind. Im Hinblick auf den Zustand der eigenen Resilienz und deren Stärkung stand dann die Frage im Raum, wie wir als Solo-Selbständige besser damit umgehen können.

Und dann sagte eine der Workshopleiterinnen:
„Ich kenne so viele Selbständige, die ihre Websites selber bauen, obwohl sie das vorher noch nie gemacht haben und es ein riesiger Einarbeitungsaufwand ist.“

Oha. Sowas von ertappt.

Ich habe darüber weiter nachgedacht. Denn ja, es stimmt: Ich habe lange gebraucht, um meine Website zu bauen, weil ich keine Expertise darin habe. Und gleichzeitig hat es mir Spaß gemacht – und es war für mich notwendig, es genau so zu tun. Das ist das Beispiel, das ich aus diesem Workshop für mich mitgenommen habe. Und die Brücke ins Privatleben und in den durchaus stressigen Alltag ist dann auch schnell geschlagen.

Nachdem ich mir innerlich all mein Leid über ALLES, was ich IMMER SELBER machen MUSS, aufgesagt hatte, kam mir folgender Gedanke:

Welchen Anspruch erfülle ich eigentlich damit, Dinge selber zu tun?

Was auch immer es ist – die Art und Weise, wie du deine Geschichte online vermittelst, kann einen gewaltigen Unterschied ausmachen.

  • Ich MUSS alles selber schaffen?

  • Ich KANN alles selber schaffen?

  • Ich WILL alles selber schaffen?

Jede dieser Fragen kratzt höchstens an der Oberfläche und beinhaltet ein ganzes Paket individueller Überzeugungen, Werte, Bedürfnisse und vieles mehr. Für diesen Beitrag bleibe ich bewusst an der Oberfläche – sonst werde ich nie fertig mit Schreiben … also nächste Frage:

Und was genau ist eigentlich ALLES?

Es gibt sicherlich Dinge, die Dir am Herzen liegen, und genau deshalb machst Du sie selbst. Bei mir sind es unter anderem Geschenke und Speisen. Wobei bei beidem auch das Selbermachen an sich eine Funktion hat: Kreativität ausleben, ein Hobby verfolgen, etwas herstellen – und insbesondere beim Kochen zu wissen, was in meinem Essen alles drin ist, möglichst ohne industrielle Verarbeitung.

Mit selbstgemachten Geschenken geht es mir neben Hobby und Kreativität auch darum zu zeigen, dass ich mir Zeit genommen habe, um der beschenkten Person eine Freude zu machen. Ich habe mir überlegt, was ich ihr selbst machen kann – und da steckt für mich ganz viel Wertschätzung für die andere Person drin.

Und manche Projekte machen einfach Spaß und erfüllen mich mit Stolz – so wie der selbstgebaute Gartenzaun. Da verbirgt sich vielleicht der Gedanke: „Challenge accepted“ – wäre doch gelacht, wenn ich das nicht auch hinbekomme.

Und jetzt kommt das böse Wort: ABER.

Aber muss das wirklich auf ALLE Tätigkeiten und Bereiche zutreffen? Insbesondere auf die Nicht-Spaß-machenden Aufgaben? Die, für die ich mich erst lange einarbeiten muss, um dann eine ungeliebte Aufgabe zu erledigen? Es gibt vermutlich schnellere Wege, den ein oder anderen Energiejäger loszuwerden. Eine Möglichkeit ist „Eat the frog“ – also einfach machen statt aufschieben, damit es mir nicht weiter Energie raubt, indem es mich innerlich dauernd anschreit, weil es noch nicht erledigt ist.

Wenn dieser Weg nicht möglich ist – aufgrund mangelnder Expertise, Zeitmangel oder weil es mir schlicht nicht gelingt, den inneren Widerstand zu überwinden – dann könnte ich vielleicht, ganz revolutionär, die Aufgabe von jemand anderem machen lassen.

Ich zum Beispiel bin in den letzten Jahren, in der Hochphase sämtlicher Kindergarten-, Schul- und Vereinsfeste, dazu übergegangen, meine mitgebrachte Speise „von jemand anderem“ herstellen zu lassen. Und ja, ich oute mich: Der Kartoffelsalat war nicht selbstgemacht. Und trotzdem wurde ich nicht gesellschaftlich verstoßen. Stattdessen habe ich meinen Stress im Alltag reduziert und habe die Energie gespart. Klingt banal – war aber ein Prozess, bis ich da ankam 🙈😂.

Demgegenüber habe ich tatsächlich meine Website selbst gebaut – ohne Expertise –, weil es mir wichtig war und weil ich mit mir entwickeln musste, wie ich mich im Netz präsentieren möchte. Und nun bin ich an dem Punkt, an dem ich für die Weiterentwicklung und Professionalisierung die Expertise anderer in Anspruch nehme, ohne dabei ein Gefühl von „ich kann es nicht“ zu verspüren (Danke @ Eva Weigell, Web-Stoff) . Im Gegenteil: Es fühlt sich richtig gut an, eine Sache so lange selbst gemacht zu haben, wie ich es wollte und konnte – und nun den Punkt wahrgenommen zu haben, an dem sich das ändern darf, bevor daraus ein „ich muss“ wird.

Kurzes Fazit: Nein, man muss gar nicht alles selber machen. Aber wenn man es kann und will, ist es doch super.

Als Impulsfragen möchte ich Dir folgende mitgeben:

  • Wofür ist es gut, dass Du die eine oder andere Sache selber machst?

  • Welche Dinge MUSST Du selber machen? Welche Dinge WILLST Du selber machen?

  • Was müsstest Du aufgeben, wenn Du die eine oder andere Aufgabe nicht mehr selber erledigst?

  • Was ist Dein Gewinn, Dinge an andere abzugeben?

  • Und was ist der Preis – nicht nur monetär gesehen?

Hinweis: Diese Fragen solltest Du tatsächlich selber beantworten – sorry 😊

Und falls Du Lust hast, genauer herauszufinden, wie Du ALLES, MUSS, MAN, IMMER in Deinem Alltag auflösen oder zumindest anders damit umgehen kannst, begleite ich Dich gern dabei. Und hier gilt von meiner Seite ganz besonders: I feel you!

P.S.: Danke an meinen Sohn für die Überschrift zu diesem Beitrag ♥️
(der immer öfter Dinge übernehmen darf, damit ich eben nicht IMMER ALLES selber machen muss …)



Zurück
Zurück

Ich möchte wissen, wie ich ticke und was ich will

Weiter
Weiter

Der eine will dies, die andere will das – und was willst DU?